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By Gret Haller

Neue Zürcher Zeitung

Amerika und Europa – Freunde für immer? Gret Haller über Differenzen im Staatsverständnis

Von 1996 bis 2000 struggle Gret Haller als Ombudsfrau für Menschenrechte des Staates Bosnien und Herzegowina tätig. Die Aufgabe der von der OSZE gewählten Juristin und Politikerin bestand darin, Beschwerden zu beurteilen. Bei ihrer Aufbauarbeit merkte die ehemalige schweizerische Nationalrätin: Nicht zuletzt die unterschiedlichen Auffassungen, die Amerikaner und Westeuropäer von einem funktionierenden Bund haben, behindern das Entstehen einer staatsbürgerlichen Identität auf dem gerade erst befriedeten Balkan. Nach ihrer Zeit in Sarajewo ging Haller den transatlantischen Differenzen systematisch auf den Grund. Und sie schrieb das Buch «Die Grenzen der Solidarität». Dayton und der Anti-Terror-Krieg Grösstenteils mit Verweis auf sekundäre Quellen referiert die Autorin info jener Momente, die Europa trotz zahlreichen Übereinstimmungen von den united states abgrenzen. Während etwa der Westfälische Frieden 1648 entschied, die faith dem Staat unterzuordnen, struggle es simply die Konfession, die alle anderen Eigenschaften der Auswanderer in «God's personal nation» dominierte. Derweil das Individuum diesseits des Atlantiks allein schon durch seine Existenz der Gesellschaft angehört, ist in den Vereinigten Staaten ein Bekenntnis zu den nationalen Werten nötig, um als wahrer Amerikaner akzeptiert zu sein. Führt in Europa die politische Diskussion zu Mehrheiten, soll das Zusammenwirken der Minderheiten in der Politik der united states das Entstehen von Majoritäten vermeiden. Während auf dem alten Kontinent die Ethik als in die Gesetzgebung eingeflossen gilt, werden in Amerika, wo das Strafrecht das aspect der Rache sehr betont, Moralvorstellungen öffentlich, vor Gericht diskutiert. Und schliesslich machte erst ein Souveränitätsverzicht, für Amerikaner in line with se ein Akt der Schwäche, die Einigung Europas möglich. Hallers Leistung besteht erstens darin, anhand dieser und anderer Kontraste zu erklären, warum das Abkommen von Dayton (1995), das die united states durchsetzten und in Bosnien – als treibende Kraft einer internationalen Gemeinschaft – umzusetzen versuchten, nicht anders werden konnte und warum es ausgesprochen fehlerhaft sei: Zum Beispiel verhindere die ethnisierende Grundstruktur des Gesamtgebildes Bosnien und Herzegowina, die an das von Konkurrenz geprägte method in Übersee anknüpft, das Bemühen um multiethnisches Miteinander. Zweitens und vor allem liefert Haller eine Folie, die Positionen und Verhaltensweisen Amerikas und Europas nach dem eleven. September 2001 verständlicher macht. So erscheint die wachsende Präsenz der US-Flagge in der Neuen Welt, in diesen Breiten häufig als unnötig und übertrieben betrachtet, als Ausfluss des traditionellen aktiven Zuspruches zum Land. Und so geht ein eventueller militärischer Alleingang der united states – in Europa ein Verstoss gegen das Gebot kollektiven Handelns – mit der Überzeugung konform, es sei intestine, übergeordneten Instanzen möglichst wenig Macht zu geben. Angstbilder Ihre Gedanken präsentiert Gret Haller meist stringent, sieht guy von manchem Begriffsjonglieren und Verklausulieren nebst allerlei Redundanzen ab. Und bloss selten stört ein dozierender Ton. Obwohl die Menschenrechtlerin nicht müde wird herauszustellen, wie sehr sie interkontinental vermitteln wolle, und der Band wechselseitige Toleranz propagiert, nehmen die antiamerikanischen Spitzen im Laufe der Darstellung zu. Europa, das nach Ende des Kalten Krieges «zum natürlichen Gegenspieler der Vereinigten Staaten geworden» sei, hält die (sozialdemokratische) Verfasserin mitunter für massiv bedroht: «Insoweit eine US-Amerikanisierung Europas stattfindet und insoweit diese auf eine Ideologie der Entstaatlichung hinausläuft, tangiert sie längerfristig nicht nur das europäische Freiheitsverständnis, sondern auch die europäische Friedensordnung.» Den limitierten Charakter der transatlantischen Beziehungen, den Haller feststellt, deutet freilich bereits der Titel der Publikation an. Und das vorangestellte Motto – Kants Appell, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen – hebt gewiss auf das oft mangelnde Selbstbewusstsein europäischer Politik ab, das im Gegensatz steht zum grossen Durchsetzungsvermögen amerikanischer Initiativen. An Plausibilität gewinnt die Studie, wenn die Politikerin theoretische Konstrukte mit ihren praktischen Erfahrungen in Bosnien und Herzegowina untermauert. Und immer da wird es problematisch, wo das Wissen über die united states offensichtlich einzig dem Schrifttum entnommen ist, und zwar jenem, in dem ein virulentes Thema des Landes, der viele Bereiche bestimmende Rassismus, unter den Teppich gekehrt wird. Im Ganzen schlägt Haller mit ihrem Buch gleichwohl eine breite Schneise in das Dickicht, in dem aktuelle Diskussionen im Westen, unter anderem zum Thema Irak, stecken zu bleiben drohen. Thomas Leuchtenmüller

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So entsteht die Grundlage der entsetzlichen Menschenrechtsverletzungen, die der Balkan erlebt hat: Der ethnisch definierte Mensch hat auch keine Würde mehr als Mensch, er hat lediglich noch eine »Würde« als Angehöriger einer Ethnie. Zweifellos kann daran gearbeitet werden, das Denken in ethnischen Kategorien zu überwinden und zu einer Art Normalität zurückzukehren. Viele haben es versucht, und etliche haben es auch geschafft: Sie haben nicht vergessen, aber sie haben vergeben können. Andere können dies nicht oder lange nicht.

Ihnen gegenüber war Verständnis die falsche Strategie. Was also war zu unternehmen? Es hätte wenig Sinn gemacht, den Bosnierinnen und Bosniern zu erklären, daß sie mit dieser monolithischen Identität nicht weiterkommen würden. Übrigens: Viele wußten oder spürten dies ohnehin. Vordringlich war die richtige Alternative. Die Alternative Eigentlich lag die Alternative zur ethnisch monolithischen Identität nach Kriegsende auf der Hand: In Bosnien war die staatliche Ordnung verschwunden, viele der früher staatlichen Funktionen waren entweder nicht mehr vorhanden, oder sie waren ethnisch zugeordnet.

Aber der Kern der Sache ist nach wie vor lebendig und hat sich nach dem Krieg – wenn auch langsam – wieder auszubreiten begonnen. Der Historiker Eric J. Hobsbawm bezeichnet das vergangene Jahrhundert als »das kurze 20.  2 Die Belagerung galt nicht nur der Stadt und ihrer Bevölkerung, angegriffen wurde auch die Symbolik des friedlichen Zusammenlebens der verschiedenen Völker, Kulturen und Religionen. Wie unbekümmert dieses Zusammenleben vor dem Krieg in Sarajevo gewesen war, erfuhr ich nach und nach aus Erzählungen meiner bosnischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Die katholischen, orthodoxen und islamischen Feiertage stimmen nicht überein, und manche fanden sich bei einer Familie oder Sippe der anderen Religion ein, um den Festtag gemeinsam zu begehen.

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